S.S. United States: Crystal Cruises stellt sie nicht in Dienst (UPDATE)


    Die Luxusreederei Crystal Cruises hat die S.S. United States im Februar 2016 per Vorvertrag gekauft und bringt den Luxusdampfer aus vergangenen Tagen wieder auf Vordermann. 

    700 bis 800 Millionen US-Dollar hat Crystal Cruises in der Hosentasche um die S.S. United States komplett neu aufzubauen und wieder in den weltweiten Kreuzfahrtdienst zu stellen, sagt Crystals CEO Edie Rodriguez.



    1952 wurde die SS United States gebaut und fuhr lange Zeit mehr als erfolgreich auf den Weltmeeren bis sie im Jahre 1969 außer Dienst gestellt wurde. Crystal übernimmt aktuell die monatlichen Kosten von 60.000 Dollar um das Schiff am Leben zu halten in Philadelphia. Eine neue Machbarkeitsstudie des Projektes ist in vollem Gange und soll letztlich entscheiden ob das Vorhaben umzusetzen ist.

    Die Rettung – falls sie den kommt – kommt im übrigen nahezu in der letzten Minute, viel Hoffnung gab es nicht die SS United States vor der Verschrottung zu retten. NCL hatte bereits vor 13 Jahren eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, damals hatte man aber noch keine Werft gekauft und so hatte die Genting Group das Schiff in 2003 auch wieder verkauft.

    Achtung: Das Vorhaben scheiterte an den Kosten. Unten findet ihr ein Update.

    Umbau in der Lloyd Werft Bremerhaven

    Da Crystal Cruises eine Tochter der Genting Group ist und diese die Lloyd Werft in Bremerhaven gekauft hat, ist schwer davon auszugehen, dass die SS United States in Deutschland wieder aufgebaut wird. Das Schiff ist komplett entkernt, es wurde bereits komplett ausgehöhlt und asbestsaniert. Die Hülle hat nur 7% ihrer Stabilität verloren, die nun wieder aufgebaut wird.

    Die United States hatte das „Blaue Band“ seinerzeit erlangt, in dem sie die Transatlantik-Route in drei Tagen, 10 Stunden und 40 Minuten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35,49 Knoten gefahren ist. Damit war sie 10 Stunden schneller gewesen als die damalige Queen Mary, die heute als Hotelschiff in Long Beach liegt.

    Crystal Cruise hält hierzu heute eine Pressekonferenz ab, in der wahrscheinlich weitere Daten und Informationen bekanntgegeben werden.

    United States by Crystal Cruises / © Crystal Cruises

    United States by Crystal Cruises / © Crystal Cruises



    Crystal Cruises möchte das Schiff so aussehen lassen: eine Computer-Animation der neuen SS United States / © Crystal Cruises

    Crystal Cruises möchte das Schiff so aussehen lassen: eine Computer-Animation der neuen SS United States / © Crystal Cruises

    SS United States wird wieder in Diest gestellt - hier seht ihr das Schiff in Philadelphia / © Inselvideo

    SS United States wird wieder in Diest gestellt – hier seht ihr das Schiff in Philadelphia / © Inselvideo

    Der Bau: SS United States

    Gebaut wurde das Turbinenschiff im Jahr 1950 bis 1952 in Newport News auf der gleichnamigen Werft. Der Preis war vergleichsweise günstig – aber das waren auch andere Zeiten – sie kostete 78 Millionen US-Dollar. Die Kosten hatten sich die Reederei und die Regierung der USA geteilt, die Regierung zahlte 50 Millionen US-Dollar, die Reederei 28 Millionen.

    Während des Baus hatte man schon darauf geachtet, das Schiff schnell und kostengünstig als Truppentransporter umbauen zu können. Daher wurde der Bau der SS United States auch so subventioniert. Im Falle eines erneuten Krieges hätte das Schiff 15.000 US-Soldaten befördern können. Der Bau wurde auch technisch aufwendig gestaltet, so wurdenen viele Schotten eingebaut und getrennte Maschinenräume um das Schiff robuster zu gestalten gegen Beschädigungen. Eine Verwendung als Krankenhaus-Schiff wäre durch die Vorkehrungen ebenso möglich gewesen, dazu kam es aber nie.

    SS United States im Liniendienst

    Die United States wurde im Liniendienst auf der Transatlantikroute eingesetzt. Am 3.Juli 1952 bekam sie das Blaue Band für die schnelle Überquerung des Atlantiks von Passagierschiffen. Mit 35.59 Knoten im Durchschnitt fuhr sie innerhalb von 3 Tagen, 10 Stunden und 40 Minuten die Strecke. Auf der Rückfahrt fuhr sie in 3 Tagen, 12 Stunden und 12 Minuten einen weiteren Rekord, somit hielt sie den Rekord für die Überquerung des Atlantiks in beiden Richtung, West, wie auch Ost. Bis heute trägt sie die Rekorde, kein Schiff war bisher schneller.

    Die Flugreisen kosteten Ende der sechsziger Jahre nicht mehr so viel Geld, dass sich die Überfahrt mit den Transatlantik-Schiffe gelohnt hätte. Aus diesem Grund wurde die SS United States im November 1969 ausser Dienst gestellt.

    Das Ende der SS United States

    Nach dem die United States bis 1992 aufgelegen hatte, einsam im Hafen wurde sie an eine türkische Werft verkauft. Das Schiff wurde nach Istanbul geschleppt. Man wollte die SS United Stats zum Kreuzfahrtschiff umbauen, angefangen hatte man damit aber nicht. Recht schnell wurde die United States in die Ukraine nach Sewastopol geschlecht. Dort wurde sie bis zum Mai 1994 komplett entkernt und von Asbest befreit. Auch die Davits der Rettungsboote wurde dabei entfernt. Danach allerdings passierte nichts mehr. Sie lag weiterhin auf. Im Jahr 1996 wurde sie weiterverkauft und liegt seither in Philadelphia auf.

    SS United States Video: Aktueller Zustand

     

     

    Crystal Cruises meldet dazu

    Crystal Cruises gibt Pläne zur Restaurierung der legendären SS United States bekannt

     „Amerikas Flaggschiff“ soll in naher Zukunft als voll restauriertes Luxusschiff auf ein Neues die Weltmeere bereisen

    Mitten in der größten Flottenexpansion von Crystal Cruises hat das Luxus-Kreuzfahrt Unternehmen nun in New York City den nächsten Paukenschlag für das schon im Februar überaus erfolgreiche Jahr 2016 verkündet. Crystal Cruises hat eine exklusive Kaufoption für „Amerikas Flaggschiff“, die SS United States, erhalten und wird nun in mehreren Schritten die Modernisierung und den Umbau der Legende zum schnellsten Luxus-Kreuzfahrtschiff der Welt in Angriff zu nehmen.

    Die SS United States hatte ihre erste Jungfernfahrt im Jahr 1952 und ist nach wie vor das größte amerikanische Kreuzfahrtschiff, das jemals gebaut wurde. Bereits auf der Jungfernfahrt erreichte die SS United States den transatlantischen Geschwindigkeitsrekord für Passagierschiffe, der bis heute nicht gebrochen wurde. Die SS United States beförderte in ihrer aktiven Zeit insgesamt vier US-Präsidenten und zahlreiche Berühmtheiten während der „goldenen Jahre“ Hollywoods.

    Zusammen mit der „SS United States Conservancy“ wird Crystal Cruises nun eine Machbarkeitsstudie des Vorhabens durchführen, die bis Ende 2016 abgeschlossen sein wird.  Über 60 Jahre Technik und Erfahrung müssen für den Umbau der SS United States aufgeholt werden. Für diese Mammutaufgabe hat sich Crystal Cruises Unterstützung von einem renommierten Team der US-Küstenwache geholt, das den Experten mit 36 Jahren Erfahrung zur Seite steht.

    Die modernisierte SS United States wird Platz für insgesamt 800 Gäste bieten, die in 400 Luxus-Suiten auf höchstem Niveau verwöhnt werden. Selbstverständlich werden auch die von Crystal Cruises gewohnt luxuriösen Gourmet-, Wellness- und Spa-Einrichtungen mit an Bord sein. Die traditionelle „Promenade“ und die berühmte „Navajo Lounge“ bleiben selbstverständlich auch auf der modernisierten SS United States erhalten.

    Edie Rodriguez, CEO von Crystal Cruises, sagte auf der Pressekonferenz am Manhattan Cruise Terminal in New York: „Die Aussicht, die SS United States wieder als „Amerikas Flaggschiff zu etablieren, ist extrem aufregend. Es wird eine Herausforderung, aber wir sind sehr zuversichtlich“.

    Update: 05. August 2016

    Crystal Cruises teilte mit, dass das Vorhaben gescheitert ist. Die Hülle der SS United States sei in einem guten und brauchbaren Zustand, was nicht gegen eine Sanierung spricht. Allerdings seien die Anpassungen an die SOLAS-Bestimmungen derart komplex und aufwendig, dass sie das Budget und überhaupt die Wirtschaftlichkeit des Projektes sprengen würden.

    Crystal Cruises sieht von dem Projekt ab und wird die SS United States nicht wie geplant umbauen und wieder in Dienst stellen. Man habe zum weiteren Erhalt des alten Luxusliners dem Verein 350.000 US-Dollar gespendet.

    6 Monate lang hat Crystal Cruises für eine Machbarkeitsstudie gebraucht um die Verwirklichung des Projektes zu überprüfen. Schlussendlich kam heraus, dass es nicht möglich ist die SS United States regelkonform auf den heutigen Standard mit den ausgelobten Mitteln von rund 700 bis 800 Millionen Dollar zu bringen. Zu teuer sei es das 65 Jahre alte Schiff umzubauen, trotz des guten Zustandes der Hülle.

    Die signifikanten Veränderungen am Rumpf gemäß der SOLAS-Regeln machen das Projekt unmöglich. Denn durch die Arbeiten am Rumpf würden neue „Baustellen“ aufkommen was die Stabilität des Schiffes betrifft. Ein Viertel des Rumpfs hätte zusätzlich neu aufgebaut werden müssen für die heutigen modernen Antriebsapparate. Die Studie zeigte aber deutlich auf, dass viel Potenzial als Hotelschiff oder Museum vorhanden ist.

    Die Spende and die S.S. United States Conservancy in Höhe von 350.000 Dollar, wird dem Verein zumindest für ein Jahr etwas Ruhe beschaffen um eine dauerhafte und nachhaltige Lösung für das 65 Jahre alte Schiff zu finden. Dank der Machbarkeitsstudie hat man zumindest handfeste Belege in welchem Zustand sich das Schiff befindet. Vielleicht finden sich ja nun Investoren für eine stationäre Lösung, ähnlich der Queen Mary in Long Beach.

     



    1 Kommentar

    1. Capt. Marcel Eilert sagt:

      Das ist nun wirklich sehr schade. Man kann nur hoffen, dass es der S.S. United States Conservancy gelingt, dieses schöne und schnelle Schiff auf einen Stand wie die Queen Mary bei Los Angeles zu bringen. In Hamburg würde sie sich auch gut machen, denn sie repräsentiert eine bedeutende Epoche des Langstreckenverkehrs und welche enormen Leistungen schon damals im Schiffbau möglich waren:
      nach New York in 3,5 Tagen mit dem Schiff. Kaum ein anderes Schiff wäre als Botschafter der Maritimen Technologie besser geeignet.

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