Deutsche Reeder für mehr Seenotrettung im Mittelmeer


    Deutsche Reeder appellieren an Bundestag: Dringend mehr staatliche Seenotrettung für Bootsflüchtlinge im Mittelmeer – Seeleute stoßen bei den Noteinsätzen körperlich und psychisch an ihre Grenzen

    Angesichts der stark wachsenden Zahl von Flüchtlingen im Mittelmeer fordert der Verband Deutscher Reeder (VDR) von der Bundesregierung und den EU-Staats- und Regierungschefs, die staatliche Seenotrettung in der Region unverzüglich massiv auszuweiten.



    Seenotkreuzer "Vormann Leiss" der Station Amrum / © DGzRS

    Seenotkreuzer „Vormann Leiss“ der Station Amrum / © DGzRS



    Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VDR, sagte: „Unsere Unternehmen haben in den letzten Monaten mehr als 5.000 Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot gerettet. Täglich werden Handelsschiffe von der italienischen Küstenwache zu Rettungsaktionen gerufen. Unsere Seeleute stoßen dabei an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Immer wieder ertrinken Flüchtlinge vor ihren Augen oder sterben an Bord an Unterkühlung. Trotz aller Vorbereitungen sind Handelsschiffe nicht für die Rettung und medizinische Versorgung von teilweise mehreren Hundert Flüchtlingen ausgerüstet.“

    Heute debattiert der Deutsche Bundestag in einer Aktuellen Stunde über die Flüchtlingskrise im Mittelmeer. Dazu sagte Nagel: „Wir erwarten vom Deutschen Bundestag Unterstützung für und einen klaren Auftrag an die Bundeskanzlerin für den morgigen EU-Gipfel, die Seenotrettung der EU-Staaten im Mittelmeer massiv auszuweiten – und zwar sehr schnell. Außerdem brauchen wir medizinische Unterstützung an Bord. Unter den Flüchtlingen sind viele Kranke und Verletze, aber auch hochschwangere Frauen. Deutschland muss einen deutlichen Beitrag leisten und die anderen EU-Mitgliedstaaten mitziehen. Denn die Zahl der Flüchtlingsboote wird in den nächsten Wochen weiter steigen. Die Überfahrt auf völlig überladenen und hochsee-untauglichen Booten ist auch im Frühjahr eine tödliche Gefahr.“

    Der maritime Koordinator der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Rüdiger Kruse, will sich dafür einsetzen, zusätzliche finanzielle Mittel bereitzustellen und kurzfristig Maßnahmen zur Rettung der Menschen in Seenot zu ergreifen. Ralf Nagel: „Wir danken Rüdiger Kruse ausdrücklich für seine klare Forderung, die Seeleute der Handelsschiffe durch eine Ausweitung der staatlichen Rettungsmittel zu entlasten. Über seine große Wertschätzung für den enormen Einsatz der Seeleute zur Rettung Trausender Menschenleben sind wir ebenfalls sehr dankbar.

    Wir hoffen, dass in der heutigen Bundestagsdebatte nicht wieder Sätze fallen werden, dass zu viel Seenotrettung die verbrecherischen Menschenschmuggler indirekt unterstützt. Für unsere Seeleute wäre das ein bizarres Signal. Denn Menschen in Seenot vor dem Ertrinken zu retten, ist eine rechtliche und eherne Pflicht für die Schiffsbesatzungen. Dabei machen wir keinen Unterschied, woher die notleidenden Menschen stammen und welches Ziel sie haben. Wir erwarten aber, dass die EU-Mitgliedstaaten die Handelsschifffahrt viel stärker als bisher von dieser Aufgabe entlasten. Darüber hinaus brauchen wir rasch politische Lösungen, des Flüchtlingsstroms über das Mittelmeer insgesamt Herr zu werden.“

    Insgesamt haben Handelsschiffe im Jahr 2014 in mehr als 800 Einsätzen rund 40.000 Flüchtlinge in an Bord genommen. Allein in den letzten Tagen wurden mehr als 10.000 Bootsflüchtlinge von Handelsschiffen und der italienischen Küstenwache gerettet.



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