Nabu: MIR Stinkts! Kreuzfahrtschiffe sauber machen!


    Der NABU ist ja nun schon einige Zeit auf Provokationskurs mit seiner Kampagne „MIR Stinkts! Kreuzfahrtschiffe sauber machen!“. Grundsätzlich ein wichtiges Thema, vom NABU aber vollkommen falsch dargestellt. Die Flyer und Pressemitteilungen sind mit erfundenen Tatsachen und Manipulationen gespickt, nur wenige Worte die niedergeschrieben werden beruhen auf tatsächlichen Fakten. Um einfach mal Klarheit in diese Kampagne zu bringen, habe ich mich entschlossen den Flyer Stück für Stück zu kommentieren und meine Meinung dazu abzugeben.

    Logo Nabu-Kampagne / Foto: NABU


    Logo Nabu-Kampagne / Foto: NABU

    So dann fangen Wir mal an:



    Rußpartikelfilter für Kreuzfahrtschiffe

    Die Kreuzfahrtschiffe – die ganz besonders stark mit ihrem sauberen Image werben – stoßen enorme Mengen an schädlichen Schwefel-, Stickoxid- und Rußemissionen aus. Rußpartikelfilter wie bei Diesel-PKW oder LKW sucht man bei Kreuzfahrtschiffen und Containerschiffen vergebens.

    Es gibt von der Firma Hug Engineering AG (Diese Firma wird vom NABU genannt als Lieferant für Schiffs-Rußpartikelfilter) aus der Schweiz Rußpartikelfilter für Schiffe. Nach einem Telefonat mit HUG stellte sich allerdings heraus das es gar nicht so einfach ist einen solchen Filter zu implementieren, für Schweröl beispielsweise gibt es keine funktionstüchtigen Rußpartikelfilter. Ein Rußpartikelfilter ist bei Einsatz von Diesel möglich, aber auch nicht „out of the Box“ und würde weitere Entwicklungen für die jeweiligen Motoren nach sich ziehen. Zu Deutsch: Würden die Reedereien auch auf See mit Diesel fahren wäre der Einsatz von Rußpartikelfiltern vorstellbar nach näherer Beleuchtung der einzelnen Motorentechniken.

    Mittlerweile hat der NABU auch eingeräumt das es derzeit keine brauchbare Rußpartikelfilter-Lösung für Kreuzfahrtschiffe existiert.

    Co² Ausstoss der Kreuzfahrtschiffe

    Ein einziger Ozeanriese stößt auf einer Kreuzfahrt so viele Schadstoffe aus wie 5 Mio. Pkw auf gleicher Strecke !

    Absoluter Blödsinn ist diese immer und immer wieder propagierte Aussage die völlig dämlich und haltlos ist. Ich stelle mal ein paar Rechnungen auf, die belegen was an dieser Aussage dran ist.

    Beachten sollte man auch das Autofahrer außer von A nach B zufahren nichts machen außer „Dreck“. Der geneigte Kreuzfahrer „lebt“ auf dem Schiff und verbraucht zur selben Zeit keinerlei Strom oder dergleichen in den heimischen vier Wänden und verlagert daher den Schadstoffausstoss den er für den im Normalfall bezogenen Strom aus dem Kraftwerk zu verantworten hat. Sprich, auf dem Schiff wird Wasser aufbereitet, Müll verbrannt, Essen gekocht, geduscht, getanzt, geschwommen, gefeiert – man lebt auf einem Schiff ebenso wie in einer Stadt – das sollte man nicht vergessen bei all den harten Fakten die der Nabu aufzählt…

    Ausgangssituation: Fahrt von Hamburg nach Oslo, das entspricht rund 800 Kilometern, wir rechnen aber mit 1000 Kilometern das ist einfacher. der Verbrauch der AIDAsol liegt bei 100 Tonnen Brennstoff, der Einfachheit halber rechne ich das auf 100.000 Liter Brennstoff um, was anhand der Dichte nicht ganz passen dürfte, aber für die Rechnungen einfacher ist.

    Um ungefähre aber wohl nicht ganz falsche Co²-Daten der AIDAsol zu erhalten bediene ich mich dem Emissionsrechner von Hapag-Lloyd Cruises und gebe eine Passagieranzahl von 2500 Menschen (Vollauslastung der SOL) in einer Balkonkabine an, dann haben wir einen mittleren Wert der stimmen kann aber nicht muss, aber dennoch repräsentativ für die Rechnung ist.

    Emissionen AIDAsol auf der Strecke Hamburg-Oslo

    Die Strecke entspricht einem Seetag, ausgewählte Kabine = Balkonkabine, Betten pro Kabine = 2, Personenanzahl Schiff = 3200 (2500 Passagiere + 700 Besatzung).

    => Emissionswert AIDAsol: = 832.000 Kilogramm Co²
    => Brennstoffverbrauch AIDAsol: = 100.000 Brennstoff

    Emissionen von 5 Millionen AUDI A6 2.7 (Bj. 2006) DPF laut Herstellerangabe

    Laut Hersteller stösst der AUDI mit dieser Motorvariante und Dieselpartikelfilter 206 Gramm Co² pro Kilometer aus, das entspricht auf 1000 Kilometer (Hamburg-Oslo) einen Co²-Ausstoss von 206 Kilogramm pro Auto, das nehmen wir nun mal 5 Millionen laut Vorgabe des NABU-Flyers. Dieser Motor verbraucht laut Herstellerangabe in Kombination 7,7 Liter auf 100 Kilometer, das entspricht 77 Liter Brennstoff für die gesamte Strecke.

    => Emissionswert AUDI A6 2.7 TDI DPF *5 Millionen = 1.03 Milliarden Kilogramm Co²
    => Brennstoffverbrauch AUDI A6 TDI DPF *5 Millionen = 385 Millionen Liter Brennstoff

    Direktvergleich AIDAsol vs. AUDI A6 2.7 TDI

    Der NABU spielt ja gerne mit Zahlen, ich auch – demnach hier der Direktvergleich welches Transportmittel sauberer ist bei gleicher Anzahl von Menschen. Für 5 Millionen Autos, brauchen wir 5 Millionen Fahrer, wenn diese 5 Millionen Fahrer nun mit einem Kreuzfahrtschiff fahren, liegt der Co²-Wert des Schiffes bei 1.3 Milliarden Kilogramm, im Vergleich oben sehen wir das die Autos 1,03 Milliarden Kilogramm Co² in die Luft blasen – also genau so viel wie das Kreuzfahrtschiff.

    Wie gesagt sind das keine 100% korrekten Zahlen aber im Direktvergleich ist gut zu sehen wie der Trend ist und was man von den Aussagen vom NABU in diesem Bezug halten kann, nämlich nichts. Die heutigen AUDI A6 Dieselmotoren haben weniger CO²-Ausstoss. Die genauen Werte der AIDAsol kann ich auch nirgends finden, der Rechner von Hapag-Lloyd arbeitet mit Durchschnittswerten die ich nicht kenne, daher kann es durchaus sein das die Emissionen der AIDAsol auch niedriger sind im Vergleich zu den Durschnittswerten aus dem Rechner. – Wie gesagt ging es dabei nur um die Klarstellung das die Aussage in der „MIR Stinkts! Kreuzfahrtschiffe sauber machen!“-Kampagne völlig haltlos sind.

    Hierbei geht es nicht darum den Audi als „Dreckschleuder“ darzustellen, das Modell habe ich gewählt da es vor der Tür steht und die Daten für mich daher relativ schnell ausfindig zu machen waren.

    Die AIDAsol wurde ausgewählt weil ich die Verbrauchsdaten aus erster Hand erfahren habe und daher die SOL das einzige Schiff ist das ich hier mehr oder minder repräsentativ in die Berechnung einbeziehen kann.

    Bis zu 50.000 Todesopfer durch Schiffsemissionen

    Die Weltgesundheitsorganisation mahnt: Bis zu 50.000 vorzeitige Todesfälle jedes Jahr in Europa durch giftige und Krebs erregende Schiffsemissionen!

    Die Kreuzfahrtschiffe machen in Summe der Gesamt-Schifffahrt 0,53% aus – demnach ist diese Aussage wieder völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Des weiteren frage ich mich wie das ermittelt wird? Reden die Krebserreger mit den Ärzten und sagen aus welchem Grund sie einen Körper befallen haben? Wie viel Todesopfer gibt es durch KFZ-Emissionen, durch Industrie-Abgase?

    Luftverschmutzung auf dem Kreuzfahrtschiff / Freidecks

    Kreuzfahrtschiffreedereien haben eine besondere Verantwortung gegenüber ihren Gästen. So warnte die Deutsche Lungenstiftung bereits im vergangenen Jahr vor den gesundheitsgefährdenden Schiffsabgasen und forderte die Passagiere mit Atemwegproblemen auf, einen großen Bogen um die Schiffsschornsteine an Deck zu machen.

    Mir ist kein Kreuzfahrtschiff bekannt, das seine Abgase auf die Freidecks abbläst, auch ist mir die Windrichtung vom Himmel zum Boden unbekannt, demnach ist diese Aussage für mich nicht nachvollziehbar, da der Wind die Abgase nicht nach unten sondern nach hinten bläst. Da die Schornsteine alle achtern gelegen sind ist es nahezu unvorstellbar das auch nur minimale Abgase jemals vom Freideck aus gemessen werden könnten. Das ließe sich allerdings mit Messgeräten direkt und schnell an Bord jedes Schiffes ermitteln, bis da keine Werte vorliegen erachte ich diese Aussage als völlig überzogen.

    Bildermanipulation beim NABU

    Das der NABU nicht mit originalen Bildern arbeitet, sondern diese einer ordentlichen Nachbearbeitung unterzieht sollte jedem klar sein, in dem aktuellen Flyer hat man aber den Bock abgeschossen, eine solche arglistige Manipulation ist jenseits von gut und Böse. Im Detail geht es um die vermeintliche tiefschwarze Rauchwolke aus dem Schornstein eines AIDA-Kreuzfahrtschiffs aus der aktuellen neugebauten Sphinx-Klasse. Das Bild habe ich aus dem Flyer ausgeschnitten damit ihr das auch mal sehen könnt:

    AIDA Schornstein NABU-Flyer / Screenshot: Aktueller NABU Kreuzfahrtschiff-Flyer
    AIDA Schornstein NABU-Flyer / Screenshot: Aktueller NABU Kreuzfahrtschiff-Flyer

    Jeder der bereits auf Kreuzfahrt war wird bestätigen können, egal ob Fachmann oder nicht, das es sich bei diesem Bild um eine Manipulation handelt. Würde ein Schiff derart schwarzen Rauch absondern könnte man davon ausgehen das binnen weniger Minuten eine Vielzahl von Rettungskräften auf dem Wasser wäre um zur Hilfe zu eilen. Ebenso würde an Land, bzw. im Hafen Hundertschaften von Rettungskräften anrücken. Des weiteren könnte man während der Fahrt keine 10 Meter hinter das Schiff schauen, es würde nur eine schwarze Wand zu sehen sein.

    Für einen Direktvergleich: Das Hurtigruten Schiff „Nordlys“ brannte in der letzten Woche und sonderte nicht ansatzweise solch tiefschwarze Wolken ab, trotz einem Großbrand im Maschinenraum.

    Brennende Nordlys vor Alesund / Foto: Pytagoras auf Flickr.com
    Brennende Nordlys vor Alesund / Foto: Pytagoras auf Flickr.com

    Braucht man sicher nicht weiter kommentieren, das sehen selbst Blinde das man da ordentlich nachgeholfen hat.
    Es spricht ja auch für sich das der NABU die Original-Bilder nicht öffentlich zeigen möchte, wäre keine Manipulation erfolgt, hätte man sicher keine Probleme damit die Rohdaten zu präsentieren.

    Eine ähnliche Situation gab es bereits nach der Taufe der neuen Celebrity Silhouette. Da hat ein nicht geladener Herr von einer Hamburger Presseagentur ein Bild mit Photoshop bearbeitet und veröffentlicht, das man eine solche Dreckschleuder in Hamburg nicht braucht. Dumm war nur, das es eine Vielzahl von Fotos aus dem selben Zeitraum gab sowie Videos die belegten das dieser manipulativ erzeugte schwarze Qualm definitiv nicht vorhanden war.

    NABU in Facebook

    Der NABU spammt schlimmer in Facebook als Bot-Netzwerke im ganzen Internet, das ist soweit ja ok, ist ja nicht verboten. Schade nur das man es mit lauter identitätslosen Menschen zu tun hat. 193 Fans hat die Fan-Seite – wovon mal bestimmt 50% Kreuzfahrer sind die sich deren Hassparolen ansehen möchten, die anderen 50% scheinen NABU-Fakes zu sein. Denn ich kenne keinen Menschen der „KA Rotte“ heisst und so weiter. Da tummeln sich Fakes ohne Ende, selbst der Seiteninhaber postet unter vorgehaltenem Facebook-Seiten-Namen und zeigt keinerlei Identität. Ich denke wenn man eine Sache rügt und sich dafür einsetzt sollte man sich zu erkennen geben.

    Der NABU scheint ein großes Problem damit zu haben das die Initiatorin der Kampagne Lucienne Damm mittlerweile bei TUI Cruises arbeitet, das scheint ein herber Niederschlag gewesen zu sein. Das zeigte auch die letzte Kampagne am Hamburger Hafen und die entsprechende Pressemitteilung in welcher von „PFUI Cruises“ und „TUI Rußschleuder“ gesprochen wird aber wieder einmal keinerlei Fakten dargelegt werden. Der NABU rühmt sich mit Hassparolen, gefälschten Bildern, wirren Tatsachen, was soll man von solch einer Organisation halten?


    Landstrom

    => AIDA Cruises bringt mit der Stadt Hamburg Landstrom in den Hamburger Hafen

    Nachtrag

    Es gibt schwefelarmen Diesel, den leider aber im Moment nicht in den Mengen, die weltweit benötigt werden. Deshalb hat die UN-Organisation IMO einen Stufenplan zur Einführung beschlossen, der jetzt umgesetzt wird und den Raffinerien Zeit gibt, umzurüsten und die erforderlichen Mengen zu produzieren. Zur Zeit ist schwefelarmer Treibstoff in EU Häfen und Nord- und Ostsee Pflicht.

    Nabu Dinosaurier-Preis

    => Pressemitteilung des VDR mit Fakten statt polemischen Parolen.



    1 Kommentar

    1. Erich Dietmueller sagt:

      Man kann zu diesem Thema stehen wie man will. Dass es Emissionen gibt, ist ja logisch. Leider verwenden manche Institutionen falsche Daten. Ich bin selbst 16 Jahre zur See auf Kreuzfahrtschiffen gefahren.Wir waren regelmäßig mit der “ World
      Discoverer“ in der Antarktis. Wir fuhren die Flagge des WWF! Glauben die Leute von NABU ( in Österreich unbekannt) daß wir von den Schutznationen welche dort Forschungsstationen betreiben, akzeptiert worden? Man kann jederzeit in den Aufzeichungen von Kapitän Aye
      ( Eiskapitän) und Kapitän Krüger ( in späterer Folge Astor) nachsehen, und keine einzige Verwarnung von Behörden finden!! Wer immer diese Leute von NABU sind, sollten doch mehr recherchieren und dann reden. Die kommen mir wie die Ableger von den österr. Grünen vor. Wasser predigen aber selbst Wein trinken.


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