Neuer Schwefelwert hebt Kostendruck für die deutsche Schifffahrt


    Anhaltender Kostendruck und neue Belastungen für die deutsche Schifffahrt – Beschäftigung deutscher Seeleute im Interesse des Standortes besser fördern / Neuer Schwefelgrenzwert ab 1. Januar bringt hohe Zusatzkosten – Die anhaltende Schwäche der Märkte und der hohe Kostendruck stellte die Schifffahrt in Deutschland im Jahr 2014 vor große Herausforderungen. Immer mehr Reedereien kooperieren, insbesondere um neue Kapitalquellen zu erschließen und ihre Schiffe besser am Markt zu platzieren.

    „Die deutsche Seeschifffahrt erweist sich als insgesamt sehr widerstandsfähig“, sagte Michael Behrendt, Präsident des Verbands Deutscher Reeder (VDR). „Aber der Wettbewerb wird sehr stark über Schiffsgrößen, noch effizientere Schiffe und im Feld der Linienreedereien vor allem über Unternehmensgröße ausgetragen.“



    Verband Deutscher Reeder in Hamburg / © VDR

    Verband Deutscher Reeder in Hamburg / © VDR



    Den Stresstest der Europäischen Zentralbank hatten Ende Oktober alle schiffsfinanzierenden Banken in Deutschland bestanden. „Das ist ein wichtiges Signal für den Schifffahrtsstandort Deutschland, aber keine generelle Entwarnung für die Schiffsfinanzierung. Denn der Verwertungsdruck aus Sicht der Banken wird bleiben“, so Behrendt.

    Weiterhin droht die erstmalige Erhebung einer Versicherungssteuer auf Erlöspools und damit eine zusätzliche Belastung der Schifffahrt von mehr als 200 Millionen Euro jährlich. Mehr als die Hälfte der Schiffe in der deutschen Handelsflotte gleicht über solche Pools Einnahmespitzen aus. International sind Erlöspools eine seit Jahrzehnten gelebte Praxis. Sie schützen nicht vor konkreten Schäden und garantieren keine Mindesteinnahme.

    „Viele Politiker und Experten unterstützen uns in der Überzeugung, dass Erlöspools keine Versicherung sind“, so Behrendt. „Nicht zuletzt durch das Wort der Bundeskanzlerin vertrauen wir auf die im Koalitionsvertrag zugesagte pragmatische Lösung für die Zukunft.“

    Bislang gilt ein Moratorium bis Anfang 2016. Ohne eine schnelle und dauerhafte Klärung müssen die Reedereien bereits in 2015 damit beginnen, Poolvereinbarungen aufzukündigen und Aktivitäten ins Ausland zu verlagern. Deutschland würde Schiffe und wohl auch Reedereien verlieren.

    Beschäftigung deutscher Seeleute im Interesse des Standortes besser fördern
    Durch die Stiftung Schifffahrtsstandort Deutschland und erhöhte Ausflaggungsgebühren erbringen die deutschen Reeder 30 Millionen Euro jährlich für die Ausbildung junger Seeleute. Um sie auch nach der Ausbildung und ersten Fahrenszeit an Bord halten zu können, müssen die Unternehmen bei den Lohnnebenkosten spürbar entlastet werden.

    „Die Krise kommt jetzt auch bei den deutschen Seeleuten an. Viele Reedereien stehen vor der bitteren Frage, sich zwischen dem Verbleib des Unternehmens im Markt und der Beschäftigung deutscher Seeleute in bisherigem Umfang entscheiden zu müssen“, so Behrendt. Die Mehrbelastung für das Personal auf einem Schiff unter deutscher Flagge betragen trotz der öffentlichen Beihilfen jährlich bis zu einer halben Million Euro.

    „Wir fordern keine Krisenhilfe für unsere Unternehmen, sondern Unterstützung für die Zukunftsfähigkeit des maritimen Wirtschaftsstandortes Deutschland“, sagte Behrendt. Nach einigen Jahren Seefahrtzeit und Praxiserfahrung sind deutsche Seeleute als Experten und Wissensvermittler an Land stark nachgefragt, zum Beispiel im Schiffbau, in der Zulieferindustrie, in der Verwaltung oder in Forschung und Entwicklung.

    Neben der Möglichkeit zum vollständigen Einbehalt der Lohnsteuer unter deutscher Flagge (heute 40 Prozent), sollen zukünftig nicht mehr bis zu vier sondern maximal zwei deutsche bzw. europäischen Seeleute unter deutscher Flagge vorgeschrieben sein. „Das würde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Flagge im europäischen Vergleich wenigstens angleichen“, so Behrendt.

    Neuer Schwefelgrenzwert ab 1. Januar bringt hohe Zusatzkosten
    Ab dem 1. Januar 2015 tritt in den Emissionskontrollgebieten (ECA) von Nord- und Ostsee, sowie in den nordamerikanischen und karibischen Gewässern ein neuer Schwefelgrenzwert von 0,1 Prozent für den Schiffsbrennstoff in Kraft. Dies stellt die Reedereien vor enorme betriebliche, technische und finanzielle Herausforderungen. Die meisten werden zukünftig den schwefelärmeren Marinediesel nutzen, der rund 50 Prozent teurer ist als der herkömmliche Brennstoff.

    „Die Reeder müssen die Mehrkosten für Marinediesel oder die neu installierten Abgasreinigungsanlagen grundsätzlich an die Kunden weitergeben. Im Wettbewerb benachteiligt werden besonders diejenigen Reedereien, die ausschließlich in den ECAs verkehren. Ihre Dienstleistung wird sich im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern massiv verteuern“, so Behrendt. Einige Fährreedereien haben bereits Mitarbeiter entlassen und Routen eingestellt. Es droht insbesondere im Ostseeraum eine Verkehrsverlagerung zurück auf die Straße.

    Nur wenige Schiffe nutzen bisher verflüssigtes Erdgas (LNG) als alternativen Brennstoff. Es fehlt es an ausreichender Infrastruktur für Bunkerstationen, damit die Schiffe auf ihren Routen LNG tatsächlich nutzen können. Für die meisten Reedereien sind außerdem die hohen Investitionskosten eine unüberwindbare Hürde. Behrendt: „Mit ihrer für 2015 angekündigten Unterstützung von LNG-Projekten erfüllt die Bundesregierung ein zentrales Versprechen aus dem Koalitionsvertrag. Dies ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem wirksamen Förderprogramm für grüne Schifffahrt.“



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