Asoziale Kreuzfahrer treffen auf vollbesetztes Flüchtlingsbooot auf dem Atlantik

Asoziale Kreuzfahrer treffen auf vollbesetztes Flüchtlingsbooot auf dem Atlantik

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Menschen meckern schnell und voreilig, es gehe ihnen schlecht und die Welt tut ihnen unrecht. Viele Dinge werden als vollkommen normal empfunden, während die gleichen Dinge für andere Menschen so weit in der Ferne liegen, dass sie nahezu unerreichbar sind.

Auf Kreuzfahrt erlebt man wahnsinnig viele Dinge, positive wie negative Dinge, Dinge die zum Nachdenken anregen und Dinge die schlichtweg für einen selbst komplett unvorstellbar sind.

So hatte ich in 2020 eine Situation die für mich persönlich unvorstellbar wäre. Keines der leidvollen Ereignisse die man sich einbildet erlebt zu haben, in seinem friedlichen Land, ohne Krieg, ohne Verfolgung und mit einem Sozialsystem, welches eigentlich Niemanden hängen lässt, würde mich je dazu verleiten in eine kleines Boot zu steigen um damit auf dem Atlantik zu fahren in eine bessere Zukunft.

Ich denke Niemand aus unseren Gefilden würde auf diese wahnsinnige Idee kommen, so ist das alles andere als ein Vergnügen und sicher schon mal gar nicht. Dennoch ist es an der Tagesordnung. Menschen verlassen ihre Heimat in kleinen Booten auf dem großen Meer.

An einem Seetag hieß es vom Kapitän, dass man auf unserer Strecke in den letzten Tagen viele Flüchtlingsboote beobachten konnte. Sie seien allerdings alle verlassen und treiben leer auf dem Meer. Das war schon irgendwie traurig, so etwas zu hören. Naja, das Programm ging weiter.

Am Nachmittag kam wieder eine Durchsage, man habe soeben ein Boot entdeckt. Dieses Mal war es allerdings bemannt. Es waren nicht unerheblich wenige Menschen auf diesem Boot. Das Kreuzfahrtschiff kam zur Hilfe und fuhr zur Position des kleinen Bootes.

Man sah sehr deutlich, das über 20 Menschen an Bord waren. Es ging aber allen gut, sie freuten sich auf Hilfe. Sie freuten sich nicht mehr alleine auf dem großen weiten Meer zu sein.

Das Kreuzfahrtschiff hatte die Küstenwache informiert und auch permanent die Gäste über den Stand der Dinge informiert. Die Küstenwache wurde herbeigerufen, um die Leute aufzunehmen und an Land zu bringen. Fazit: Am Ende wurden alle gerettet von der Küstenwache und auch deren Boot zurückgelassen.

An Bord ging es dann los, die Gäste rannten an die Reling um zu schauen was vor sich geht. Sie sahen ein Boot voller Flüchtlinge, die jubelten, sangen und lachten, dass sie in „Sicherheit“ sind, dass jemand sie gefunden hat. Sie fuhren ihre Kreise und ließen sich vom Kapitän über den Stand der Dinge informieren.

Während dessen fing es unter den Gästen an: „Oh Gott, hoffentlich lässt man diese Monster nicht an Bord“, „Oh nein, solche Menschen darf man bloss nicht reinholen“, „Das sind doch Wirtschaftsflüchtlinge, den braucht man nicht helfen“, „Was soll das hier denn? Wieso fahren wir nicht weiter, das ist nicht unser Problem“ – und viele weitere Aussagen. 

Ich habe es mal bewusst unterlassen die richtig tiefbraun-versüfften Kommentare wiederzugeben, die Kommentare hier kann man noch mal wiedergeben, was sonst so gesagt wurde, entbehrt jedweder Empathie und Menschlichkeit. Vor allem sah man den Menschen, die das ausgesprochen haben, ein solches krankes Gedankengut auch gar nicht an.

Es war einfach nur ekelhaft und zum fremd schämen. Es ist schon erstaunlich wie Menschen die alles und noch mehr haben funktionieren, wenn Menschen die nichts haben und in einer wirklich misslichen Lage sind in ihre Nähe kommen.

Ich glaube nicht, dass diese Menschen aus Langeweile auf den Atlantik hinausfahren mit einem Boot, das gerade mal gut genug für die Elbüberquerung am Lüheanleger wäre. Ich denke das macht man aus Verzweiflung, weil man ein besseres Leben möchte. Ich verstehe nicht, wieso man solche Menschen verachtet, wieso man ihnen das vorwirft, dass sie ein besseres Leben haben wollen. Vielleicht sollte man sich mal in deren Lage versetzen, würde man es nicht vielleicht auch tun – wenn man all das was man hat, nicht hat und zudem auch keinerlei Perspektiven…

Ich würde mir wünschen, dass Menschen anfangen zu denken, bevor sie handeln. 

PS: Ich hatte die Bilder heute dazu gesehen, ich wollte daraus kein Thema machen. Ich habe bewusst, Ort und Zeit nicht erwähnt, weil es nicht um die Sache geht, dass es Flüchtlinge gibt und dass diese auf den Weltmeeren gerettet werden und leider auch viele dabei sterben. Mir ging es explizit um diese asozialen Denkweisen von einigen Menschen, welche glauben, nur weil sie in einem sicheren Land geboren wurden, auch bessere Menschen sind als Andere.

Abschließend: Es gab auch richtig Ärger an Bord deswegen, teilweise zwischen Paaren, wo der Eine tiefbrauner nicht sein könnte und die Frau nicht emphatischer – unfassbar wie solche Menschen zusammen finden. So gab es auch von Dritten klare Ansagen an die Menschen, die sich derart asozial geäußert haben. Das hatte mir am Ende den Tag gerettet und die Sicherheit gegeben, dass die Menschheit nicht komplett verdorben ist.

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