Kreuzfahrt: Der Boomerang mit dem Bordguthaben zeigt sich jetzt!

Kreuzfahrt: Der Boomerang mit dem Bordguthaben zeigt sich jetzt!

Color Magic Heckwelle

Die Kreuzfahrt steckt in der Krise. Ich würde fast meinen, es ist die erste Krise die es wirklich gibt und die auch richtig spürbar ist. Die Krise hat die Kreuzfahrtbranche mit Vollgas an die Wand knallen lassen. Die Schiffe sind weitgehend außer Dienst gestellt, jene Schiffe die noch fahren versuchen ihre Gäste nach Hause zu bringen. Manche versuchen das über Häfen und Flughäfen, andere bringen die Gäste mit vielen Seetagen zurück nach Europa.

Die Gäste der abgesagten Reisen meckern, sie wollen ihr Geld zurück und keine Gutscheine. Die Reisebüros meckern, dass die Reedereien keine Provisionen auszahlen für stornierte Reisen. Über die Gutscheine haben wir schon gesprochen, in meinen Augen die einzige Möglichkeit der Touristikbranche eine Überlebenschance einzuräumen.

Interessant fand ich allerdings schon immer das Thema Rückvergütung und Bordguthaben. Gerade in der Touristik sind die Margen wirklich gering, der Aufwand eine Reise zu verkaufen aber oft auch nicht groß. So zum Beispiel bei allen Gästen die genau wissen was sie tun, die laufen in die Büros, geben nur noch ihre Daten ab und kassieren dafür in Teilen horrende Prozentzahlen an Rückvergütungen in Form von Bordguthaben. In manchen Fällen vergüten Reisebüros mehr Prozente, als andere Reisebüro überhaupt an Provision erhalten, das muss man sich einmal vorstellen.

Die Prozente die da in Teilen rückvergütet werden, sind oftmals mehr als die Prozentteile die in den Reisebüros hängen bleiben, also schenkt man mehr Geld und damit Einnahmen her, als das man selbst für sich behält. Das mag funktionieren solange der Markt wächst und steil nach oben stürmt, aber langfristig ist das wie man gerade erfährt, mit die dümmste Entscheidung die man unternehmerisch treffen kann.

Es reichte sicherlich komplett aus um unterjährig in einer boomenden Branche mitlaufen zu können, es reicht aber scheinbar nicht für Rücklagen. So liest man nahezu täglich, „Die Reisebüros schreiben Brandbriefe“, das verstehe ich auch, aber manchmal sollte man auch anfangen sich selbst zu hinterfragen. Sofern es weitergehen sollte, sollte man noch immer Großteile seines Einkommens verschenken? Sollte man nicht auch an Rücklagen denken? 

Ganz gewiss, die aktuelle Situation ist der Tod für Teile der Touristik, vielleicht auch für die gesamte Touristik. Und ich denke auch nicht, dass man aufgrund dieser Dimensionen die gerade auf uns zu rennen, die Möglichkeit gehabt hätte, so viel Rücklagen aufzubauen um durch dieses Inferno zu kommen. Aber weniger Rückvergütung und mehr Cash im Unternehmen, hätte zu etwas mehr Luft verholfen, egal wie es am Ende ausgehen wird für jeden Einzelnen.

Auch die Kreuzfahrt Lounge hat mit Rückvergütungen gearbeitet, keine Frage. Das aber auch nur weil es am Markt keine Möglichkeiten mehr gibt sich zu positionieren ohne Cashback. Die Erfahrungen zeigten, dass über 80% der Anfragen, fragen nach Rückvergütung waren. Insofern galt das Motto: „Friß oder stirb“. Auch die Lounge hat alle Provisionen aus März und April verloren, wird vermutlich auch alle weiteren Provisionen in 2020 verlieren, da ich nicht glaube , dass noch Schiffe fahren werden. Aber wir sind glücklicherweise breit genug aufgestellt, so dass ich den Beiden einen Unterschlupf bieten kann zum überleben, so dass es wohl auch dann, wenn es irgendwann weitergeht, auch für die Lounge weitergeht.

Richtig schäbig finde ich, wie manche Büros öffentlich auftreten und gegen Rückvergüter wüten, die sollten schon auch mal darauf schauen, was sie selbst ihren Kunden anbieten. Ich bin da doch recht oft, hin und weg, wenn mir Leute aus der Community Angebote vorlegen von diversen Reisebüros. Gerade von Kunden solcher (Groß)-Büros haben wir enorm viel Zulauf gehabt in den letzten 14 Tagen und auch heute noch. Ich bei SuK wo man mich um Hilfe gebeten hat, aber auch in der Lounge bei Melanie und Niklas. Natürlich haben wir geholfen, kostenlos und werden dafür auch nie was bekommen. Aber das ist ok, denn am Ende wird sich die Spreu vom Weizen trennen.

Insgesamt sollte man sich also überlegen, ob es der richtige Weg ist, seine Einnahmen wegzuschenken und im Nachgang zu meckern, dass man keine Gelder mehr einnimmt. Die unternehmerische Entscheidung, seine Einnahmen wegzuschenken, wurde ja weit vor Corona getroffen. Jetzt ist der Zeitpunkt um Kompetenz und Service zu zeigen, aber einige Büros schreiben lieber Brandbriefe und kümmern sich nicht um die Gäste. Es ist mir unverständlich, wieso man als gebuchter Gast, nicht die Möglichkeit haben kann bei seinem Reisebüro eine Antwort zu bekommen, weil sie einfach nicht erreichbar sind.

Letztendlich klaut man sich über die Prozente die von den Reisebüros verschenkt werden einfach nur die Gäste, die ohnehin gebucht hätten – es ist also lediglich eine Umverteilung, keine Leistung. Relevant sind immer Neukunden, da brauchen wir eine punktgenaue und hochwertige Beratung, die leider in vielen Fällen, sehen wir jeden Tag in unserer Community, nicht stattfindet. Das ist ebenso ein zentrales Problem. Es reicht nicht mit Bordguthaben um sich zu werfen, das ist nicht nachhaltig und man ist komplett ersetzbar. 

Was die Reedereien betrifft, sie zahlen für alle gebuchten Reisen Provisionen. Hochsummiert sind das sicherlich Milliarden über alle Reedereien die an die Reisebüros ausgeschüttet werden für vermittelte Reisen. Das ist auch richtig so, wer arbeitet muss auch Geld dafür bekommen. Nur brauchen die Reedereien aktuell auch Geld um zu überleben, Geld was sie für Leistungen auszahlen und von den Vermittlern dann verschenkt wird an die Gäste die das Produkt letztlich nutzen. Da muss man in Zukunft einfach mal überlegen, ob man weiterhin so hohe Provisionen ausschüttet, wenn ein Teil davon eh verschenkt wird, so kann man Fonds bauen um die Gäste in einem hoffentlich nie wieder eintretenden Fall entschädigen zu können.

In Teilen ein selbst gemachter Teufelskreis der entstanden ist. Und nochmal: Die Dimensionen von Corona waren nicht vorstellbar und selbst wenn, hätte es kein touristisches Unternehmen schaffen können. sich dermaßen viele Rücklagen aufzubauen um da „easy going“ durchzukommen. 

PS: Die Gäste die das Bordguthaben einfordern und mitnehmen, die hat man sich verzogen – ganz bewusst und selbstständig. Wer würde das als Endkunde nicht mitnehmen? Genau, jeder würde es tun!  Das Problem, Geld rumwerfen kann jeder – man macht sich austauschbar. Ist man heute da und verschenkt Geld, kann das morgen schon auch ein ganz anderes Unternehmen tun. 

Beziehungsweise nein! Die Lounge hat einen Kunden, der bei all seinen Buchungen immer explizit angibt, dass er kein Bordguthaben und keine Rückvergütung haben will. Er würde sogar für die Beratung zahlen. Ein Unikat! Solche Menschen braucht es, die Leistungen honorieren! Auf der anderen Seite dann eben auch Expertise und nicht nur den Willen Einnahmen zu verschenken.

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12 Kommentare gepostet

  1. Deinem Text stimme ich grundsätzlich zu.

    Außer bei den Gutscheinen statt Erstattungen. Hier bin ich mir sicher, dass sowieso wieder viele Steuergelder in den Tourismus fließen werden. Da sollte es in der Situation auch von den Reedereien die Liquidität an die Reisenden zurück geben.

    • Ich denke nur die Verbindung zwischen Steuergeld und Gutschein wird die Unternehmen retten. Und Steuergelder sind es erst dann wenn die massiv erhöhte Staatsverschuldung beglichen ist, bis dahin sind das erstmal Schulden von der Regierung.

  2. Würde ein Reisebüro für selbst entscheidende Kunden die gleiche Provision erhalten/behalten wie für Kunden mit Beratungsbedarf, würden die Selbstentscheider die Beratungskunden quersubventionieren. Das kann also demzufolge kein ernstgemeinter Vorschlag sein. Ich erhalte für alle Reisen, also nicht nur Kreuzfahrten, 5% des Reisepreises als Cashback zurück. Aber trotzdem dürfte ich für das Reisebüro eine höhere Rendite einbringe als jeder Beratungskunde, weil bei mir der Zeitaufwand für das reine eintippen der Buchungsdaten minimal ist. Sollte ich tatsächlich mal für eine Reise eine Beratung benötigen, würde ich selbstverständlich auch kein Cashback einfordern/erwarten!

    • Naja, die Provision wird ja grundsätzlich gezahlt damit die Reisebüros gut und ordentlich informieren und beraten und damit dann eben ihre Kosten decken.

      Insofern müsste man für „Daten eintippen“, enorm die Provision kürzen. Dann verteilt sich das auch wieder ordentlich am Gesamtmarkt und die Kunden haben nicht so einen Stress damit, rauszufinden wo es am meisten Cashback gibt. Andererseits sparen sich Reisebüros auch immer die gleichen Aussagen und Angebotserstellungen – werden ja doch auch oft verschiedene Angebote eingeholt und dann nur in einem Büro gebucht. ;)

    • Die Reedereien haben alle massiv zu tun. Falls es Dir noch nicht aufgefallen ist, sind Reisen von allen Schiffen bis immerhin Ende April abgesagt worden. Das betrifft bei AIDA 14 Schiffe x 6 Wochen – die werden das schon von Reise zu Reise abhandeln. Das ist Massenmarkt, das dauert dann halt auch mal etwas länger.

      Ich schätze Hapag Lloyd Cruises und andere kleinere Reedereien sind da zügiger. Kannst Du bei der Buchung deiner Reise das nächste Mal berücksichtigen, wenn Dir das jetzt alles zu lange dauert.

      • Wir haben bei der TUI Mein Schiff 4 Westeuropa mit Lissabon Abfahrt 30.7.bis 11.8.2020 gebucht. Anzahlung wurde abgebucht.Wenn wir stornieren sind 30% des Reisepreises weg.Dies ist ab 50.ten Tag vor Abreise möglich.
        TUI wird also immer warten, bis der Tag 50 oder später eintrifft, damit wenigstens von allen die Anzahlung kassiert wird.Eine Stornierung durch die TUI wird bis zum letzten Tag ausgesessen.

        • Ich habe keine Glaskugel und kann daher nicht sagen was sie machen. Vermutlich wartet man ab um zu sehen was passiert. Irgendwann, spätestens dann wenn es 100% sicher ist, dass die Reise nicht durchgeführt werden kann, wird sich TC dazu entschließen die Reise zu stornieren. Auugust sind ja noch über vier Monate hin.

  3. Wir haben für Anfang April eine Reise bei Costa gebucht. Alle Reisen wurden von Costa storniert und uns mitgeteilt, dass wir die kompletten Kosten rückerstattet bekommen. Bei tausenden Urlaubern kann das natürlich länger dauern
    Deshalb nicht gleich ungeduldig werden. Ich rechne mit 4-6 Wochen

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