Nach dieser doch sehr ausführlichen Einführung, müssen wir uns zu erst einmal auf den Ausgangspunkt der Kreuzfahrt festlegen. Die Werte halten wir an dieser Stelle in Prozenten fest – um uns auf einer allgemeinen Basis zu bewegen. Wir gehen von einem alten Kreuzfahrtschiff ohne SCR und Scrubber aus. Hier liegen die Werte des Kohlendioxid (CO2), Stickoxid, Schwefeloxid und der Rußpartikel bei 100 %.
Um der Umwelt bestmöglich gerecht zu werden, müssen die Werte dieses sehr alten Kreuzfahrtschiffs gesenkt werden, das ist bei einem alten Kreuzfahrtschiff wirtschaftlich und auch baulich natürlich nicht sinnvoll und möglich. Deshalb entwickeln wir uns weiter, bewegen uns auf ein etwas jüngeres Kreuzfahrtschiff, denn die Scrubber und SCR sind mittlerweile der Mindeststandard auf den meisten Kreuzfahrtschiffen.
Doch um fortzufahren ist es nötig, die Begriffe einmal zu durchleuchten. Bei SCR handelt es sich auf Deutsch um die selektive katalytische Reduktion. Einfach gesprochen werden Stickoxide, die in einem Verbrennungsmotor entstehen, durch einen Katalysator stark reduziert. Stickoxide sind vor allem für Menschen mit Vorerkrankung (beispielsweise Asthma) extrem schädlich.
Die Stickoxide greifen nämlich in erster Linie die Atemwege der Menschen an. Durch die SCR Katalysatoren können angeblich bis zu 75% der Stickoxide eliminiert werden. Allerdings bieten die Katalysatoren auch einen Nachteil, denn sie erhöhen den Energiebedarf des Schiffes, das wiederum führt zu einem höheren CO2 Ausstoß. Der Stickoxid-Ausstoß findet in vielen Häfen der Welt klare maximal Werte. Nur unter Auflagen können Kreuzfahrtschiffe diese Häfen ansteuern. Ab Kiellegung 2016 ist es Pflicht über einen SCR Katalysator oder ein ähnliches System zu verfügen.
Beim Scrubber handelt es sich um ein Abgasreinigungssystem, durch dieses werden Schadstoffe aus den Abgasen gefiltert. Hierbei werden vor allem der Ausstoß der Schwefeloxide und der Rußpartikel minimiert. Auch hier finden sich in den Häfen klare Regelungen und Auflagen. Sowohl SCR Katalysatoren als auch Scrubber gehören zum Standard eines modernen Kreuzfahrtschiffes – vor allem wenn es noch mit Schweröl betrieben wird. Bis zu 98 % der Schwefeloxide und bis zu 60 % der Partikelausstöße können so verhindert werden.
Mit SCR System (o.ä.), Scrubber und diversen Filtern kommen wir also auf die heutigen Standards der modernen Kreuzfahrtschiffe. Dank dieser Technologien bewegen wir uns bereits sehr weit von der 100% Ausgangslage weg. Allerdings ist sie auf manch altem Kreuzfahrtschiff fast noch genauso verblieben wie beim Bau des Schiffes. Doch vor allem die größeren Reedereien haben mit den Auflagen der Häfen ihre älteren Schiffe nachgerüstet, da andernfalls die Routenplanung zu stark eingeschränkt werden würde. Abgesehen davon sieht die Kreuzfahrtbranche sich auf dem Seewege selbst als Vorreiter in Sachen Umwelt- und Klimaschutz, so sollte kein Preis zu hoch sein, um den Auflagen der Häfen gerecht zu werden – auch wenn diese Auflagen von Jahr zu Jahr steigen, was auch richtig und wichtig ist.
Um bei der Nennung prozentualer (ca.) Werte zu bleiben steht es um moderne oder nachgerüstete Kreuzfahrtschiffe, die mit Schweröl betrieben werden, wie folgt: Der Kohlendioxid Anteil liegt nach wie vor bei 100%, allerdings steigt der 100% Betrag durch den Energieverbrauch der Reinigungssystem, durch den der CO2 Ausstoß dann natürlich durch den Mehrverbrauch erhöht wird. Unsere Stickoxide sinken um rund 75 %, es verbleiben also 25%, der Anteil der Rußpartikel befindet sich in etwa zwischen 20 und 30 %, der Schwefelwert bei 2%.
Auf einen Blick sieht das nun so aus:
- CO2 : 100 % -> 100 %
- Stickoxide: 100 % -> 25 %
- Rußpartikel: 100 % -> 20-30 %
- Schwefeloxid: 100 % -> 2 %
Es handelt sich hierbei um Schätzwerte, die je nach Schiff, Reederei und Reinigungssystem beziehungsweise Katalysator voneinander unterschieden werden müssen. Auch nutzen nicht alle Schiffe dauerhaft die Systeme, sondern teils nur an Orten, an denen es ihnen vorgeschrieben wird – darüber sollten die Betreiber sich mal Gedanken machen.
Und da wir schon beim heutigen Standard wären, liegt hier auch die Erklärung dafür vor, dass TUI Cruises die sauberste Schiffsflotte der Kreuzfahrtunternehmen betreibt. In erster Linie liegt das nämlich daran, dass TUI lediglich über ein Schiff verfügt, das vor 2014 gefertigt wurde. Die anderen Schiffe wurden nach 2014 gefertigt, entsprechen somit höheren Standards. Die meisten anderen Reedereien existieren bereits weit länger, verfügen dementsprechend über ältere, beziehungsweise teils sehr viel ältere Kreuzfahrtschiffe.
TUI Cruises hat an dieser Stelle den enormen Vorteil, dass es sich hierbei um eine sehr junge und damit natürlich sehr fortschrittliche Flotte handelt, die großen Innovationen blieben allerdings aus, denn vor allem im puncto LNG hat man in Hamburg den Trend verschlafen.
2023 wird TUI Cruises sein letztes Schweröl Schiff in Dienst stellen, während der große Konkurrent aus Rostock, AIDA Cruises, dann bereits über drei Schiffe verfügen wird, die zu 100 % mit LNG betrieben werden.
Die Gründe sind allerdings unklar, es könnte sein, dass TUI erst einmal die Entwicklung abwarten und somit möglichen Risiken aus dem Weg gehen wollte.
Die Folge daraus ist, dass TUI erst für 2024 und 2026 Werft Slots für LNG Kreuzfahrtschiffe bekommen hat. Bis dahin werden nahezu alle Tochtergesellschaften der Carnival Corporation (Costa, AIDA, Carnival Cruise Line, etc) bereits über LNG Schiffe verfügen.
2 Kommentare zu „LNG-Kreuzfahrtschiffe, Brennstoffzellen, Hybride: Wie weit ist die Industrie?“
Es ist doch ganz klar: Im Gegensatz zu NABU, DUH, Greenpeace, … tun die Konzerne tatsächlich etwas für den Klimaschutz, statt nur zu pöbeln und Menschen zu Gewalttaten aufzustacheln. Und dafür wird man noch verspotten? Was tut denn z.B. der NABU für den Klimaschutz? Wie viel Geld haben die in den letzten Jahren in die Entwicklung innovativer Technologien investiert? Die Menschheit muss endlich aufhören, Nichtsnutze zum Messias zu erheben und diejenigen, die tatsächlich etwas bewegen, zu schikanieren.
Ach ja: Alle Macht dem Kapital!