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Meyer Werft: Wann steigt der Staat wieder aus?

AIDanova Heckteil beim Eindocken auf der Meyer Werft
Meyer Werft / 2018
Zuletzt aktualisiert: 13.09.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Bund und Land Niedersachsen halten seit der Rettung 2024 zusammen rund 80 Prozent der Meyer-Werft-Anteile, je 40 Prozent – der Meyer-Familie sind 20 Prozent geblieben.
  • Einen festen Zeitplan für den Staatsausstieg gibt es laut Bund und Land weiterhin nicht, das Engagement soll nur „zeitlich begrenzt“ bleiben.
  • Die IG Metall Küste fordert, dass zuerst die Beschäftigungssicherung für mindestens 3.100 Jobs in Papenburg steht, bevor über einen Rückzug gesprochen wird.
  • Laut Sanierungsgutachten stehen schwarze Zahlen frühestens 2028 an, aktuell arbeitet die Werft an voller Kapazitätsauslastung.
  • Seit 1. Juli 2026 führt der frühere Airbus-Manager André Walter die Werft als neuer CEO.

Der Staat sitzt bei der Meyer Werft mit im Boot – und zwar tiefer, als es vielen lieb ist! Bund und Land Niedersachsen halten zusammen 80 Prozent der Anteile an der Papenburger Werft, und ausgerechnet jetzt, wo die Auftragsbücher mit MSC- und Carnival-Neubauten wieder gut gefüllt sind, wird erneut über den Ausstieg diskutiert. Ich sage euch gleich vorweg: einen Fahrplan dafür gibt es noch lange nicht.

Auslöser ist ein Bericht von noz.de vom 13. September 2026, in dem Bund, Land Niedersachsen und IG Metall zur Frage befragt wurden, wann der Staat seine Anteile an der Meyer Werft wieder abgeben will. Zur Erinnerung: Im Herbst 2024 mussten Bund und Land die insolvenzgefährdete Werft retten, seither halten beide zusammen rund 80 Prozent der Anteile – je 40 Prozent –, dazu kommen Bürgschaften von 2,6 Milliarden Euro. Der Meyer-Familie sind noch 20 Prozent geblieben.

Kein Zeitplan – auf beiden Seiten

Auf die Frage, ob jetzt, nach Vertragsunterschriften wie dem MSC-Großauftrag, auch konkret über den Ausstieg gesprochen wird, blieb Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wohl bewusst vage: Ziel sei eine Stabilisierung, bevor die Werft „zurück an den Markt“ gehe – einen Termin nannte sie nicht. Genau das ist im übrigen auch die Linie, die man aus Hannover hört, wo Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies das Staatsengagement zwar als „zeitlich begrenzt“ bezeichnet, sich aber ebenfalls nicht auf ein Datum festlegen lässt.

IG Metall: Erst die Jobs sichern, dann über Ausstieg reden

Die IG Metall Küste argumentiert wohl zu Recht in eine andere Richtung: Ohne den Staatseinstieg gäbe es den Standort Papenburg schlicht nicht mehr, insofern sei nach dem ersten Erfolg der Rettung jetzt eher Kontinuität statt hastigem Rückzug gefragt. Die Gewerkschaft pocht darauf, dass die zugesagte Beschäftigungssicherung für mindestens 3.100 Beschäftigte in Papenburg zuerst tatsächlich umgesetzt wird, bevor überhaupt über einen Verkauf der Staatsanteile nachgedacht wird. Ich kann diese Position gut nachvollziehen: Nach der Achterbahnfahrt der vergangenen Jahre wäre ein überstürzter Ausstieg wohl das Schlechteste, was der Werft und ihren Beschäftigten passieren könnte.

Was das für Papenburg und die Reedereien bedeutet

Wirtschaftlich hängt an der Frage einiges: Laut Sanierungsgutachten sollen schwarze Zahlen frühestens 2028 stehen, aktuell arbeitet die Werft nach eigenen Angaben auf volle Kapazitätsauslastung hin. Der jüngste Konzernabschluss zeigt zwar einen deutlich reduzierten Verlust von rund 383 Millionen Euro (mehr dazu hier), von schwarzen Zahlen ist man aber noch ein gutes Stück entfernt. Gleichzeitig läuft die Auftragsfertigung: Für Carnival ist mit der Tropicale gerade erst der Brennstart erfolgt, während der milliardenschwere MSC-Auftrag sich zuletzt etwas zu verzögern schien. Seit 1. Juli führt mit André Walter, vormals bei Airbus, ein neuer CEO die Geschäfte – sein Vorgänger Bernd Eikens hatte die Werft im Abschiedsinterview noch mit zwei großen Neubauten pro Jahr in die Zukunft geführt.

Für euch als Gäste ändert sich durch diese Eigentümer-Debatte erst einmal gar nichts – AIDA, Carnival, Disney, MSC und Co. bauen unbeirrt weiter in Papenburg. ABER: Wer sich fragt, ob Papenburg als Bauplatz für die nächsten Kreuzfahrtschiffe langfristig gesichert ist, sollte genau diese Personalie im Blick behalten. Ein Staat, der sich zu früh zurückzieht, bevor die Auftragslage wirklich stabil ist, würde ein Risiko eingehen, das am Ende wieder auf dem Rücken der Beschäftigten und letztlich auch der Reedereien ausgetragen würde.

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Häufige Fragen zu dieser Meldung

Bund und Land Niedersachsen halten seit der Rettung 2024 zusammen rund 80 Prozent der Meyer-Werft-Anteile, jeweils 40 Prozent. Die restlichen 20 Prozent liegen bei der Meyer-Familie.

Einen festen Zeitplan gibt es nicht. Sowohl der Bund als auch das Land Niedersachsen sprechen von einem zeitlich begrenzten Engagement, ohne sich auf ein konkretes Datum festzulegen.

Die Gewerkschaft will zuerst die zugesagte Beschäftigungssicherung für mindestens 3.100 Jobs in Papenburg umgesetzt sehen, bevor überhaupt über einen Ausstieg gesprochen wird.

Nein. Die laufende Auftragsfertigung, etwa für Carnival und MSC, ist von der Eigentümerfrage unabhängig und läuft nach Werftangaben unverändert weiter.

Quellen

  • noz.de, 13.09.2026
  • Eigene Recherche, Schiffe und Kreuzfahrten

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