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Meyer Werft: Diese Technik steckt im Konzeptschiff „Vision“

Konzept Vision batterieelektrisches Kreuzfahrtschiff / © Meyer Werft
Konzept Vision batterieelektrisches Kreuzfahrtschiff / © Meyer Werft
Zuletzt aktualisiert: 17.09.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Meyer Werft hat gegenüber den VDI nachrichten neue Technikdetails zu ihrem E-Kreuzfahrtschiff-Konzept „Vision“ verraten, das erstmals im April 2026 auf der Seatrade Cruise Global in Miami vorgestellt wurde (Stand: 17.09.2026).
  • Eckdaten: 275 Meter Länge, 82.000 BRZ, Platz für 1.856 Gäste, reiner Batterieantrieb mit mindestens 500 MWh Akkukapazität (Lithium-Eisenphosphat, Hersteller Corvus Energy) und bis zu 40 MW Ladeleistung.
  • Bestellt hat „Vision“ noch keine Reederei – es bleibt vorerst ein Konzept, das die Werft aber für technisch bereits umsetzbar hält.
  • Durch den Wegfall von Maschinenraum, Tanks und Abgasanlage wäre theoretisch Platz für bis zu 8 % mehr Passagiere.

Die Meyer Werft könnte das größte batterieelektrische Kreuzfahrtschiff der Welt bauen – 275 Meter lang, für 1.856 Gäste, komplett ohne Verbrennungsmotor! Was die Papenburger im April als Konzept „Vision“ vorgestellt hatten, hat jetzt richtig Substanz bekommen, denn Projektingenieur Johannes Bade hat gegenüber den VDI nachrichten offengelegt, was technisch dahintersteckt.

Ich habe mir das genau angeschaut, denn es ist im übrigen keine reine Zukunftsmusik: Die Meyer Werft hält ein 100 % batterieelektrisch angetriebenes Kreuzfahrtschiff mit über 80.000 BRZ für technisch machbar – erste Details zum Konzept hatte ich euch bereits im April gezeigt. Jetzt kennen wir dank des Interviews die Zahlen dahinter, und die haben es in sich.

Die Technik hinter „Vision“

Geplant ist ein Lithium-Eisenphosphat-Akku (LFP) mit mindestens 500 MWh Kapazität vom norwegischen Hersteller Corvus Energy, der wassergekühlt ist und auf 15 Jahre Betriebsdauer ausgelegt sein soll. Damit käme das Schiff laut Bade problemlos und mit viel Reserve über für europäische Routen typische Strecken wie Barcelona–Civitavecchia. Wer jetzt denkt, das reicht nirgendwo sonst hin: Theoretisch wäre vom Gewicht her sogar ein 700-MWh-Akku möglich, und der würde auch für eine Strecke wie Norwegen–Island reichen. Die Ladeleistung wird mit bis zu 40 MW angegeben – aktueller Standard in den meisten Häfen sind eher 16 bis 20 MW, insofern müsste „Vision“ im besten Fall zwei Landstrom-Anschlüsse gleichzeitig nutzen. Rund 250 Ladezyklen pro Jahr sind eingeplant, meist zwischen 30 % und 90 % Akkustand. Wer nicht auf Landstrom verzichten will bzw. auch mal den Atlantik überqueren möchte: Auf Wunsch könnte „Vision“ laut Werft auch als Hybrid mit kleinen Generatoren gebaut werden.

Was das für euch als Kreuzfahrtgäste bedeuten würde

Weil Schornstein und der große Abgas-Schacht komplett wegfallen, entsteht an Deck neuer Platz – etwa für ein großes Sonnendeck oder einen Aquapark am Heck, der dann durchgängig nutzbar wäre. Motorengeräusche und Vibrationen, die man auf jedem Kreuzfahrtschiff mehr oder weniger spürt, würden laut den Entwicklern stark reduziert. Und weil die Hauptmaschinen, Tanksysteme und die komplette Abgasbehandlung (samt Urea und SCR-Katalysator) wegfallen, wird auch an Gewicht gespart – Platz, der laut Bade fast eins zu eins in bis zu 8 % mehr Passagierkapazität umgerechnet werden könnte. KEINE schlechte Aussicht, wenn man bedenkt, dass ein Schiff wie die „Wonder of the Seas“ für 7.000 Gäste am Tag rund 250.000 Liter Diesel verbrennt, wovon nur rund 60 % überhaupt für den Vortrieb draufgehen.

Was noch fehlt: der Auftrag

Ganz ehrlich, und das ist mir wichtig, euch reinen Wein einzuschenken: Ein bestelltes Schiff ist „Vision“ bislang nicht, es ist und bleibt vorerst ein Konzept. Die Meyer Werft, die sich ihr Auftragsbuch für die kommenden Jahre ohnehin erst wieder auffüllen muss, bräuchte eine Reederei, die sich traut, als Erste ein Schiff dieser Größenordnung rein batterieelektrisch zu bestellen. Dass Europa parallel kräftig an der Landstrom-Infrastruktur baut – bis 2030 sollen laut EU-Verordnung AFIR rund 100 europäische Häfen entsprechend große Strommengen liefern können – spielt der Werft dabei in die Karten. Ich bin gespannt, ob sich eine Reederei traut, denn technisch, das machen die Zahlen von Bade deutlich, wäre „Vision“ schon heute kein Wunschtraum mehr. 

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Häufige Fragen zu dieser Meldung

Noch gar nicht: „Vision“ ist bislang nur ein technisches Konzept der Meyer Werft. Es fehlt eine Reederei, die das Schiff bestellt, ein Baubeginn steht also noch nicht fest.

„Vision“ wäre 275 Meter lang, käme auf rund 82.000 BRZ und würde Platz für 1.856 Gäste bieten – damit läge es deutlich unter Riesen wie der „Aidacosma“ (184.000 BRZ) oder der „Icon of the Seas“ (248.600 BRZ).

Mit dem geplanten Akku von mindestens 500 MWh käme das Schiff laut Meyer Werft problemlos über typische europäische Routen wie Barcelona–Civitavecchia. Mit einem größeren 700-MWh-Akku wäre theoretisch auch eine Strecke wie Norwegen–Island machbar.

Laut Meyer Werft ja: Die Technik gilt als machbar, unter anderem dank Lithium-Eisenphosphat-Akkus und Ladeleistungen bis 40 MW. Was fehlt, ist allein eine Reederei, die sich traut, ein Schiff dieser Größe zu bestellen.

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