Erfahrungsbericht: Dialyse auf Kreuzfahrt mit MS Astor


    Warum mir die Dialyse auf einem Kreuzfahrtschiff so gefällt? – Ein Erfahrungsbericht von Heike Magnussen

    Nur kurz vorher zu meiner Situation: Ich bin bereits ein alter „Hase“, was Dialyse angeht, da ich schon seit 22,5 Jahren Dialysepatientin bin. Ich habe einen Shunt, über den die Dialyse stattfindet. D. h. mir werden dreimal in der Woche jeweils 2 Nadeln gelegt. Durch die eine Nadel wird das Blut aus meinem Körper gezogen, in dem Filter gereinigt und das Wasser (das ich nicht mehr ausscheiden kann) entzogen und dann durch die andere Nadel mir wieder zurückgegeben. Dieses geschieht für jeweils 5 Stunden. Und das ist, wie Ursula schon schrieb, Pflicht, egal ob Urlaub, Krankheit oder sonst ein Ereignis ansteht.



    Wir sind bisher viel in Deutschland unterwegs gewesen, was grundsätzlich nicht problematisch ist, im Ausland bin ich eher vorsichtig wegen der Sprachkenntnisse und der Hygienebedingungen. Daher war unsere 1. Kreuzfahrt 2012 ein besonderes Erlebnis, das ich jetzt nicht mehr missen möchte, weil wir so begeistert waren. Es bedarf sicherlich einigen Vorlauf, zum Glück gibt es ja jetzt auch spezielle Dialyse-Reisebüros, die einem super zur Seite stehen. Über so ein Reisebüro haben wir die Kreuzfahrt gebucht, über die wurde auch der Dialyseplatz bei Dr. Rittich angemeldet, so das alles seinen Gang gehen konnte. Dr. Rittich benötigt dann einen Fragebogen über die Dialyseparameter, Blutwerte usw. sowie eine Kostenübernahmeerklärung. Leider übernehmen die deutschen Krankenkassen nur den Regelsatz, den Rest muss man als Patient leider alleine bezahlen. Hier nun ein kurzer Bericht um zu zeigen, das das mit der Dialyse an Bord super geregelt war:



    Dialyse auf der MS Astor: Kreuzfahrt rund um Westeuropa:

    Nachmittags einschiffen in Bremerhaven, sich dann bei der Dialyse anmelden und abends dann das Auslaufen(schon das erste Highlight). Am nächsten Tag war Seetag und meine 1. Dialyse an Bord gleich morgens. Gefrühstückt habe ich vorher im Büffetrestaurant (ein wirklicher Vorteil an Bord der Astor). Abends Kapitänsempfang, den man dann genießen konnte genauso wie den Ausflug nach London am nächsten Tag. Danach ging es weiter nach Le Havre, wo wir vormittags einen Ausflug gemacht haben, dann im Buffetrestaurant zu Mittag gegessen haben und danach ging es zur Dialyse, alles ganz entspannt. Die Schwestern haben uns nachmittags auch netterweise mit Kaffee und Kuchen versorgt.

    Der nächste Tag war wieder ein Seetag, den ich dann auch ganz genießen konnte. Am darauffolgenden Morgen fand die nächste Dialyse statt, wobei es danach dann schnell zum Mittagessen ging, um danach den Ausflug nach Santiago de Compostela mitmachen zu können. Am darauffolgenden Tag waren wir in Lissabon, auch sehr angenehm, weil keine Dialyse anstand. Dann beim nächsten Seetag fand die Dialyse erneut morgens statt, leider habe ich dadurch den Frühschoppen verpasst, aber die Schwestern haben uns sogar noch mit Bier und Brezeln versorgt. Dann hatten wir einen tollen Tag in Casablanca und am nächsten Tag in Tanger, wo wir dann nach dem Ausflug wieder dialysiert haben. Von Marokko aus ging es zurück nach Spanien nach Sevilla (Tag ohne Dialyse) und dann zur Alhambra. Da dieses ein Ganztagesausflug war konnten wir erst abends dialysieren. Aber Zeit für ein kurzes Essen im Buffetrestaurant blieb uns. Den nächsten freien Tag (unser letzter) haben wir dann noch ausgiebig genossen, bevor wir in Barcelona ankamen.

    Also, ihr seht, die Dialyse richtet sich wirklich nach den Ausflügen und man muss nur auf einiges verzichten. Persönlich hat mir auch sehr gut gefallen, das man Patienten und Schwestern aus anderen Zentren kennenlernt und sich austauschen kann. Die Dialyse auf dem Schiff findet alle zwei Tage für jeweils 4 Stunden statt, so das man bisschen „sündigen“ kann. Bei dieser Fahrt waren wir insgesamt 9 Patienten in zwei Schichten.

    Wir waren jedenfalls vom Kreuzfahrtfieber gepackt und haben 2013 dann gleich eine weitere Fahrt, dieses Mal mit der MS Delphin von Barcelona nach Istanbul unternommen. Die Planung und der Ablauf der Dialyse waren im Grunde gleich, es gab nur wesentlich mehr Ganztagesausflüge, so das ich mehrfach abends dialysieren musste. Das war an Bord der MS Delphin leider nicht von Vorteil, da es dort nur ein Restaurant mit einer festen Tischzeit gibt. Selbstverständlich haben wir unser Essen bei der Dialyse bekommen (egal welche Mahlzeit), aber das Essen im Liegen bzw. „Halbsitzen“ ist doch nicht so angenehm wie im Restaurant, auch für den Partner nicht. Aber das hängt ja vom jeweiligen Ausflugsprogramm ab. Bei dieser Fahrt waren sogar 20 Patienten mit an Bord, so das man also doch von Bedarf sprechen kann, der einfach vorhanden ist. Leider gibt es im Moment für uns ja nicht soviel Auswahl.

    Wir waren jedenfalls zweimal sehr begeistert und würden das gerne wiederholen, zumal einfach die Wege optimal sind, nur kurz vom Zimmer zur Dialyse und zurück. Wenn alle einverstanden sind, kann die Dialyse auch mal verlegt werden, damit man evtl. an Bordveranstaltungen teilnehmen kann. Wirklich alles sehr relaxt und urlaubsmäßig und nur zu empfehlen.

     

     



    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


    Schau Dir unsere Videos an