Hausaufgaben für die deutsche Schifffahrt: Hansa-Forum Tagung in Hamburg


    Durch einige Fehleinschätzungen der Vorkrisen- und Krisenjahre ist die deutsche Schifffahrt auf den Kapitalmärkten ins Hintertreffen geraten. Doch in der Finanzierung und im Schiffs-betrieb gibt es Chancen, die Herausforderungen zu bewältigen. So lautete das Fazit des diesjährigen HANSA-Forums Schifffahrt | Finanzierung.

    Bereits zum 18. Mal fand die größte Veranstaltung dieser Art in Deutschland statt. Unter dem Motto »Schifffahrt 2.0 – Die neue Realität« diskutierten rund 500 Experten im Hamburger Hotel Grand Elysée über Wege und neue Chancen deutscher Reeder im hart umkämpften Wettbewerb. Die drei hochrangig besetzten Panels thematisierten Finanzierungsprojekte, Möglichkeiten zur Effizienz-steigerung der Bestandsflotte sowie Beispiele von den boomenden Schifffahrtsmärkten Oslo und Griechenland.



    Hansa-Forum 2014 in Hamburg / Schiffahrts-Verlag “Hansa” GmbH & Co. KG

    Hansa-Forum 2014 in Hamburg / Schiffahrts-Verlag “Hansa” GmbH & Co. KG



    Die in der Vergangenheit wurzelnden Probleme sind noch nicht bewältigt. Zu lange haben deutsche Reeder auf das KG-Modell zur Finanzierung ihrer Flotte gesetzt und dabei Alternativen außer Acht gelassen, hieß es gestern auf dem vom Schiffahrts-Verlag »Hansa« veranstalteten Forum. Auch waren und sind nur wenige bereit oder in der Lage, ein Stück Kontrolle an potentielle Partner abzugeben und sich den strukturellen Anforderungen der Kapitalmärkte und anzupassen.

    Kein maritimes Zentrum wird so viel Veränderung erfahren wie Hamburg und Deutschland, sagte Christoph Toepfer, CEO von Borealis Maritime. Ein rigoroser Umbau sei zwingend notwendig. »Das Stillhalten der Banken hat das Problem möglicherweise nur verschärft«, kritisierte er. Dass Private Equity-Kapital hierzulande nicht wie zum Teil erwartet eingestiegen ist, liegt seiner Meinung nach unter anderem daran, dass Ansichten und Strukturen (»cultural fit«) mit deutschen Unternehmen oft nicht passten.

    Einige Redner argumentierten, dass die deutsche Reedereilandschaft zum Teil zu kleinteilig ist. »Size matters«, um im harten Wettbewerb bestehen zu können und das Interesse bei Investoren zu wecken. Eine aktuelle und auf dem Forum vorgestellte Studie, die vom Fachmagazin „HANSA International Maritime Journal« und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PKF erstellt wurde, zeigte ein differen-ziertes Bild. »Bei kleineren Schiffen konnten wir durch das gute Know-how durchaus Kostenvorteile von kleineren Reedereien feststellen. Ab der Panamax-Größe gibt es dann Kostenvorteile für größere Unternehmen«, sagte Experte Robert Brückner.

    Als spezifisch deutsches Problem machte Alfred Hartmann, Reeder und Inhaber der Leeraner Hartman-Gruppe, die derzeit verschobene Versicherungssteuer auf Pools aus, die die Bundesregierung einführen will. Kleinere Reeder würden das nicht überleben. »Ansonsten müssen wir uns überlegen, ob wir nicht ins Ausland abwandern«, so Hartmann.

    Weil das Kapital für effiziente und damit wettbewerbsfähige Neubauten oft fehlt, setzen einige Reeder auf Retrofit-Maßnahmen. Lutz Müller von der Reederei NSB stellte einige Projekte wie der Verbreiterung von Containerschiffen vor. Sie sollen ebenso Einsparungen ermöglichen wie Bugwulstoptimierungen oder Propellerumbauten. Hermann Klein, CEO der Reederei E.R. Schiffahrt, bezifferte das Einsparpotential daraus auf 7 bis 12 %. Durch moderne Anstriche und Beschichtungen des Rumpfes könnten ebenfalls 10 bis 15 % erreicht werden.

    Mit einem Blick über den Tellerrand hinaus wurden auf dem HANSA-Forum Projektmöglichkeiten auf dem Finanzmarkt Oslo diskutiert. Dort sind deutsche Reeder – noch – nicht aktiv. Kapital ist vorhanden, man müsse es aber auch angehen, hieß es.



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