MS Trollfjord Reisebericht Norwegen: von Bergen nach Trondheim – Teil 1


    [Reisebericht von Harald Manger] – Es ist wieder mal soweit … eine Seereise steht an. Dieses Mal allerdings nicht mit einem Schiff der AIDA-Flotte sondern auf Empfehlung einer Kollegin „die schönste Seereise der Welt“ – mit einem Schiff der „Hurtigrute“ die norwegische Westküste entlang.

    Nach ausführlichem Studium der Website Hurtigruten.de, einschlägigen Internetforen zum Thema „Norwegen“ und „Hurtigruten“, des aktuellen Katalogs, zweier Reiseführer und besagtem Gespräch mit der Kollegin steht fest – es wird eine 11-tägige Reise mit der „MS Trollfjord“, beginnend in Bergen, über das Nordkap bis nach Kirkenes (wenige Kilometer vor der russischen Grenze) und dann zurück bis nach Trondheim.



    MS Trollfjord / © Harald Manger


    MS Trollfjord / © Harald Manger

    Die Anreise erfolgt ganz ordinär mit dem Flieger. Morgens von Frankfurt nach Kopenhagen und anschließend weiter nach Bergen. Das klappt auch absolut problemlos, die beiden Linienflüge der SAS sind pünktlich, so dass um 13.40 Uhr die Landung in Bergen den Beginn des Urlaubs einläutet.

    Alternativ wäre auch die Anreise über Kiel, dann mit der Fähre nach Oslo und von dort mit der Bergenbahn bis Bergen möglich gewesen – trotz der Attraktivität der Fahrt mit der Bergenbahn (die ich ja auf einer Teilstrecke bei einer meiner AIDA-Fahrten schon einmal erleben durfte) hat hier aber die Bequemlichkeit gesiegt … ich hatte einfach keine Lust, mein Gepäck quer durch Deutschland und Norwegen hinter mir herzuziehen …

    Deshalb geht es bequem und organisiert weiter: Am Flughafen steht bereits der Transferbus zum „Hurtigrutenterminalen“, dem Anlegeplatz der MS Trollfjord, bereit, so dass es gegen 15.00 Uhr zum Einchecken gehen würde – wenn denn das Schiff da wäre … So können wir zwar unser Gepäck abgeben, müssen dann aber noch bis gegen halb fünf warten, bis wir einchecken und aufs Schiff können. In der Zwischenzeit hat sich zwar die Möglichkeit für einen kurzen Bummel in die Innenstadt geboten (Brygge in Bergen ist da ja sehr zu empfehlen), allerdings haben wir leider keinen der 15 Nicht-Regentage im Jahr erwischt, so dass die Mehrheit sich einfach im Terminal in die Warteschleife gelegt hat – und da Warten bei einem Kaffee angenehmer ist, sind die Plätze in der Cafeteria auch schnell belegt. Einziges Problem: diese hat geschlossen … Zum Glück gibt es Kaffeeautomaten – und wenn diese Euromünzen bzw. Kreditkarten nehmen würden, würden diese auch Umsatz machen. So kommen wir aber leider nicht zusammen – woher hätte man bis jetzt auch NOK-Münzen bekommen sollen …

    Doch zurück zum eigentlichen Thema … Gegen 16.30 Uhr geht es zum Einchecken: Voucher abgeben, Bordkarte entgegen nehmen und fertig. Kein Sicherheitsfoto wie auf der AIDA, keine Gepäckkontrollen beim Boarding – scheint aber auch so zu gehen. Hier zeigt sich dann doch, dass es sich bei den Schiffen der Hurtigruten um öffentlichen Personennahverkehr handelt (auch wenn man „Nähe“ hier anders definiert). Und anders als auf den Schiffen der AIDA-Flotte kann man hier auf Wunsch auch sein Auto mitnehmen und im Schiffsrumpf kostenlos unterstellen.

    Kabine 679

    Auf dem Schiff fühle ich mich gleich zu Hause – auch wenn die Geburtsstadt der MS Trollfjord nicht Papenburg ist, sieht doch alles irgendwie vertraut aus. Zwar ist hier alles ein (oder zwei) Nummern kleiner als auf der AIDAdiva, aber dennoch ähnlich gestaltet. Ein kurzer Blick auf den Deckplan genügt, um die mir zugewiesene Kabine 679 zu finden. Diese befindet sich auf Deck 6 (Backbord) ziemlich weit hinten am Heck – ob das beim zu erwartenden Seegang gut ist, wird sich noch zeigen …

    Glücklicherweise wartet bereits mein Koffer vor der Kabinentür, so dass ich gleich mit dem Einräumen der Schränke beginnen kann. Meine Überraschung war allerdings schon groß, als ich diese zum ersten Mal geöffnet habe: der Kleiderschrank ist zwar einen Meter breit, allerdings nur 11 cm tief – außer ein paar Jacken und Hosen (quer!) lässt sich da nichts hineinhängen. Bleibt das Schränkchen neben dem Waschraum – hier sind zumindest drei Fächer vorhanden, so dass (mit geschicktem Stapeln) die Wäsche und die Technik (was man unterwegs halt so braucht) unterkommt – der Rest bleibt erstmal im Koffer (der seinen Platz unter dem Bett findet).

    Bad

    Da die Kabine grundsätzlich für eine Belegung mit zwei Personen gedacht ist (und vermutlich jeder Wäsche und Kleidung dabei hat), könnte ich mir hier aber schon ein bisschen Gedrängel im Schrank vorstellen … Außerdem würde dann die Sitzbank (auf der ich gerade am Notebook sitze) ein Bett sein – da zeigt sich dann doch, dass auch 11 m² ihre Grenzen haben (in diesem Fall also ein klares Plus für die Außenkabinen auf der AIDA) – als „Alleinbeleger“ ist das allerdings kein echtes Problem. Positiv hervorzuheben ist im übrigen die Fußbodenheizung im Waschraum – seit ich herausgefunden habe, dass der Schalter „Heater Cable“ genau diese mit Strom versorgt, ist es hier angenehm warm …

    Was gibt es sonst noch zur Kabine zu berichten? Selbstverständlich gibt es Handtücher (ein Badetuch und ein Handtuch pro Person), aber auch einen fest montierten Föhn im Waschraum. Neben der Dusche und der Toilette befinden sich hier ein Waschbecken, ein (ausreichend großer) Spiegelschrank sowie eine Wäscheleine. Außerdem lagern im Schrank ein zweites Kopfkissen sowie zwei Wolldecken. Rettungswesten sind nicht vorhanden (zumindest nicht auf der Kabine); stattdessen sind überall an Bord Schränke mit Rettungsjacken verteilt.

    In der eigentlichen Kabine befinden sich vier Steckdosen (normale Schukosteckdosen mit 230 V Spannung) – eine am Schreibtisch, zwei neben dem Bett und eine weitere unter der Kabinendecke. Da sich direkt daneben eine Antennendose befindet ist zu vermuten, dass hier grds. der Anschluss eines TV-Gerätes (wie es in den Innenkabinen üblich ist) angedacht ist – von daher kann es nicht schaden, ein handelsübliches Antennenkabel mitzunehmen, wenn man ggf. sowieso ein Notebook oder tragbaren DVD-Player mit analogem TV-Anschluss dabei hat – vielleicht ist die Dose ja belegt. In der Kabine befindet sich ein Telefon, das für externe Gespräche mit einem Kreditkartenleser ausgestattet ist – die ersten beiden Minuten kosten pauschal 20 NOK, jede weitere Minute 3 NOK (wobei nicht klar ersichtlich ist, ob dies auch für Auslandsverbindungen gilt). Für diejenigen, die ein paar Tage Urlaub nicht ohne Internetanschluss überstehen würden, gibt es an Bord vier Internet-PCs (gegen Gebühr); außerdem ist fast überall die Einwahl mittels Mobilfunk über GPRS, teilweise auch EDGE oder gar UMTS möglich.

    Bar

    Als nächstes steht der obligatorische erste Rundgang auf dem Schiff an. Aufregendes gibt es hier nicht zu entdecken: Rezeption, Ausflugsschalter, Shop, Bar, Restaurant, Bibliothek, Sauna, (Mini)-Fitnessraum, Sonnendeck (immerhin mit zwei beheizten Whirlpools) und Cafeteria – also alles was man braucht … und hier zeigt sich dann auch, dass Vergleiche mit anderen Kreuzfahrtschiffen nicht wirklich angebracht sind (und deshalb von mir jetzt auch nicht mehr gemacht werden). Die Schiffe der Hurtigruten sind in erster Linie Postschiffe, die auch Passagiere mitnehmen (wenn auch auf einem sehr hohen Niveau) – der Reiz liegt hier also in Ruhe, Entspannung und faszinierenden Landschaften … und genau deshalb bin ich hier ;-)

    Für 18.30 Uhr hat der Küchenchef dann ans Buffet geladen – im Restaurant „Saga Hall“ ist das Abendessen angerichtet. Heute wird am Buffet (an den restlichen Tagen der Reise wird hier abends dann ein 3-Gänge-Menü serviert) aufgefahren, was Küche und Speisekammer bzw. das Meer zu bieten haben: Fisch in allen Variationen (roh, gekocht, mariniert, …), Meeresfrüchte (Taschenkrebse, Langustinen), Fleisch (Rind, Lamm, Schwein), Beilagen satt und zum Abschluss Käse, Obst und Süßes bis zum Abwinken.

    Meeresfrüchte am Buffet

    Die Getränke beim Essen sind – im Gegensatz zu AIDA-Reisen – im Reisepreis nicht enthalten. Allerdings gibt es die Möglichkeit, sog. „Weinpakete“ oder „Wasserpakete“ zu buchen. Diese Pakete zu knapp 3.200 NOK (Wein) bzw. 300 NOK (Wasser) beinhalten zu jedem Abendessen eine Flasche Wein (nach Empfehlung des Küchenchefs) bzw. unbegrenzt Wasser (mit oder ohne „Kohlensauer“). Da ich allerdings auch nach dem Abendessen noch etwas von der Reise mitbekommen will, habe ich mich nur für die „Wasser-Flatrate“ entschieden und trinke den Wein dann nach Bedarf gläserweise…

    Und wo wir schon bei Flatrates sind … es gibt eine weitere hiervon auf dem Schiff. In der Cafeteria (die übrigens rund um die Uhr geöffnet hat und – neben Getränken – kleine und große Speisen bereit hält) kann man einen „Kaffee-Deal“ abschließen. Man kauft für 195 NOK einen Alu-Kaffeebecher (auf dem auch das „Hurtigruten/MS Trollfjord“-Logo aufgedruckt ist) und kann diesen dann bis Jahresende beliebig oft mit Kaffee oder Tee füllen. Bei einem Preis von 26 NOK für eine Tasse Kaffee schien mir das in der Tat ein Deal zu sein, auch wenn ich ihn voraussichtlich nur 11 Tage (und nicht bis Jahresende) nutzen werde. Anschließend wird der Becher dann jedoch weiterhin seinen Dienst tun – und zwar an meinem Frankfurter Arbeitsplatz, an dem ich regelmäßig zu kleine Becher für die Latte Macchiato aus dem Schrank nehme … die Sauerei an der Kaffeemaschine sollte mit diesem Teil dann also der Vergangenheit angehören. ;-)

    Nachdem die ersten beiden Kaffee also im Harald sind und bei der Verdauung des (viel zu) üppigen Abendessens unterstützen, gibt der Kapitän das Signal zum Ablegen – mit leichter Verspätung um 23.15 Uhr beginnt die „schönste Seereise der Welt“ …

    Der Sturm

    „Die schönste Seereise der Welt“ … naja – so ganz 100% sicher bin ich da noch nicht wirklich … die Nacht ist jetzt nicht wirklich windstill, so dass Schlaf immer nur temporär möglich ist – es ist halt beim Einschlafen schon störend, wenn man – von fremden Kräften gesteuert – im Bett ständig Bewegungen ausgesetzt ist. So ist die Nacht nicht wirklich schlecht, aber halt von ständigen Unterbrechungen durchzogen. Dass es noch schlimmer hätte kommen können, ahnte ich da noch nicht …

    Die Häfen Florø und Måløy verschlafe ich (bzw. nehme sie nicht wirklich wahr) – schließlich ist es mitten in der Nacht bzw. noch vor dem Hellwerden, als wir hier jeweils nur für wenige Minuten anlegen.

    Seegang - bis zu 14 m hohe Wellen

    Es ist jetzt 8.30 Uhr und mein Handy reißt mich aus dem Schlaf. Allerdings nicht mit Klingeln oder der Weckfunktion sondern durch einen simplen Fall vom Ablagebrett … inzwischen haben wir die offene Seestrecke am Westkap erreicht (hier geht die Nordsee ins Europäische Nordmeer über) und wir geraten in den an dieser Stelle üblichen Sturm. Dieser fegt heute mit Windstärken über 10 und mit bis zu 14 Meter (!) hohen Wellen über das Meer und gibt unserem Schiff eine – zumindest mir – bis dahin ungeahnte Dynamik.

    Also raus aus dem Bett und mit dem Fotoapparat an Deck … doch der auf dem Boden liegende Kaffeebecher, das Portemonnaie und die Armbanduhr wollen zunächst wieder aufgehoben werden. Da sie ihren alten Platz auf dem Schreibtisch sowieso nicht beibehalten hätten, kommen sie kurzerhand in den Rucksack, so dass zumindest die Gefahr umher fliegender Gegenstände gebannt ist.

    Jetzt aber raus auf Deck und endlich die Beweisfotos geschossen – mit regen- und winddichter Kleidung ausgerüstet und den Fotoapparat im Anschlag versuche ich die Tür am Heck zu öffnen: dies gelingt allerdings erst Dank tatkräftiger Hilfe eines bereits an Deck befindlichen Passagiers – zu stark ist der Gegendruck durch den Wind. So bleibt also nur langsames Vortasten in Richtung der Schiffsmitte – und weiter geht es auch nicht. Die Wellen brechen sich regelmäßig beim Eintauchen des Schiffs, so dass das Spritzwasser bis zur Brücke reicht (und diese ist auf Deck 7) und damit natürlich auch Deck 6, auf dem ich gerade stehe, recht feucht ist …

    Den Rest der Schaukelei (und mit dem Gefühl auf einer Schiffschaukel kann man das auch durchaus vergleichen) verbringe ich dann im Bett und warte, bis wir gegen 11.15 Uhr in Torvik einlaufen (über das Frühstücksbuffet berichte dann morgen – heute habe ich das lieber ignoriert).

    Alesund

    Inzwischen haben wir auch wieder ruhige Gewässer erreicht, so dass nach kurzem Aufenthalt die Weiterfahrt nach Ålesund ansteht. Durch die verspätete Abfahrt in Bergen reduziert sich der Aufenthalt hier zwar auf knapp 2 ½ Stunden, für einen kurzen Spaziergang durch die Stadt (knapp 40.000 Einwohner) und einen Abstecher auf den 418 Stufen (knapp 200 m) hoch gelegenen Berg Aksla mit fantastischem Ausblick über Ålesund reicht die Zeit jedoch allemal.

    Die schönste Seereise der Welt ...

    Zurück an Bord zeigt sich eine weitere Besonderheit der Hurtigruten – es gibt hier „Hafengäste“, also Besucher, die sich während der Liegezeiten im Hafen auf dem Schiff aufhalten. Dies scheint gerade sonntags eine gern genutzte Ausflugsmöglichkeit zu sein, um den Aufenthalt auf dem Schiff mit einem Mittagessen im Familienkreis zu verbinden; Berichten zu Folge werden in den Sommermonaten auch schon einmal die Whirlpools der neueren Schiffe bzw. der Pool der MS Finnmarken als Ausflugsziel genutzt.

    Nachdem die Gäste das Schiff verlassen haben, haben wir den Weg zum nächsten Hafen eingeschlagen. Um 17.30 Uhr erreichen wir dann auch fahrplanmäßig Molde, wo wir eine Stunde Liegezeit haben. Währenddessen beginnt auch schon das vorgezogene Abendessen, da wir auf der Strecke nach Kristiansund wieder offene See befahren und diese Strecken offensichtlich immer Auswirkungen auf die Anzahl der Essensgäste haben.

    Anders als gestern findet das Abendessen heute und an den Folgetagen in Menüform statt, d.h. es werden drei Gänge am Platz reserviert. Begonnen hat die heutige Speisenfolge mit einem überbackenen Brie auf Toast, gefolgt von einem exzellenten Lachsfilet in Pfeffersauce an Kartöffelchen sowie einer Eis-Schokoladenkuchen-Komposition zum Dessert.

    Bevor wir um 22.00 Uhr in Kristiansund anlegen, verbringe ich die kommenden zwei Stunden mit dem iPod im Bett und warte auf den angekündigten Seegang (der im Vergleich zu heute Vormittag aber sehr zurückhaltend ausfällt und von daher gut verträglich ist). Ein Blick aus dem Fenster in Kristiansund zeigt dann Erfreuliches … das regnerische Wetter geht so langsam aber sicher in dichten Schneefall mit richtig dicken Flocken über – wenn das so weitergeht, kommen wir der Winterlandschaft langsam aber sicher näher …

    Den Abschluss findet der Abend dann mit einem Caipirinha (ja, auch so etwas gibt es hier an Bord) an der Bar sowie etwas Nachtlektüre und einer DVD zum Einschlafen …


    © Reisebericht und Bilder von Harald Manger





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